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| Sternchen war allein. Inmitten
der anderen Sterne, die strahlend und lachend jeden Abend am Himmel spazieren
gingen, war sie allein. Die anderen Sterne mochten sie, sprachen gern mit ihr
über dieses und jenes, aber sie war ihnen viel zu ernst und zu verschlossen. Nur
selten lachte und tobte sie mit den anderen Sternen über die Himmelsbahn.
Meistens ging sie allein und vor sich hin träumend ihren Weg. |
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Wovon sie träumte wusste sie
selbst nicht so genau. Von einem anderen Stern vielleicht, der sie in den
Arm nahm und stundenlang mit ihr träumen konnte und der ihr Wärme gab, denn
es war sehr kalt hier oben am Himmel. Bisher war ihr dieser Stern aber nur
in ihren Träumen begegnet und weil sie ihm nahe sein wollte, träumte sie
sehr oft. Manchmal wenn Sternchen traurig war kullerten klitzekleine Perlen
aus ihren Augen. |
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Wenn solch eine Sternenträne auf die Erde fiel, verwandelte
sie sich über Nacht in eine wunderschöne Blume, an der sich die Menschen
erfreuten. |
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Als sie eines Nachts wieder Gedankenversunken am Himmel
entlang wanderte, spürte sie plötzlich einen Blick auf sich ruhen. Erschrocken
sah sie sich um, aber niemand war zu sehen, nur der Mond schien. Einen Augenblick lang
schlug ihr kleines Herz unruhig, dann spürte sie Wärme in sich aufsteigen. Aber
noch ehe sie begriff war dieses schöne Gefühl auch schon wieder vorbei. Es
wurde wieder kalt und traurig lächelnd ging sie weiter. Immer wenn
sie an diese Stelle kam, lauschte sie in sich hinein, nach diesem fast
vergessenen Gefühl. Doch lange, lange Zeit spürte sie nichts. |
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Und dann geschah eines Abends das Wunder, auf das sie schon
so lange und vergebens gewartet hatte. Sie fühlte, wie ihr kleines Herz
schneller schlug, sie spürte einen sanften, warmen Hauch und ein strahlendes
Lächeln glitzerte in ihren Augen. "Hallo Sternchen" sagte eine Stimme dicht neben ihr,
"erschrick bitte nicht". Langsam drehte sie sich zur Seite, lachte
leise und sagte: "Hallo Mond, ich freue mich dich zu sehen." Ihre Stimme
klang so weich und zärtlich dabei, dass der Mond sie am liebsten in seine Arme
nehmen wollte. Aber er kannte sein ängstliches Sternchen genau, sie wäre schnell
wie der Wind davon gelaufen. So unterhielten sie sich, bis am Horizont die Sonne
erschien. Der Mond wurde unruhig, sagte noch ganz schnell tschüß und dann war er
auch schon verschwunden. Sternchen war enttäuscht. "Was habe ich falsch
gemacht?", dachte sie. Langsam ging sie nach Hause, lächelte versonnen vor sich
hin, als plötzlich eine klitzekleine Träne aus ihrem Auge kullerte. Komisch
wunderte sie sich, ich bin glücklich und dennoch muss ich weinen. |
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Jeden Abend trafen sich der Mond und das Sternchen,
manchmal redeten sie stundenlang, dann sagten sie wieder nur ganz kurz hallo
zueinander, lächelten sich an und gingen weiter auf ihrem Weg. In Sternchen wuchs
die Sehnsucht nach Wärme und Geborgenheit, sie träumte davon mit dem Mond zu
kuscheln und in seinen Armen zu liegen, obwohl sie wusste das das gefährlich für
sie war. Sterne die sich außerhalb ihrer Welt bewegen stürzen ab, das wusste sie
von ihrer Mutter. Sie fallen als Sternschnuppe hinunter zur kalten Erde und dort
erlosch dann ihr Sternenfeuer. Einem Stern der auf die Erde fiel konnte niemand
von hier helfen. Und dennoch träumte sie immer wieder von ihm, beängstigend
zarte und wunderschöne Träume. |
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Als er sie eines Abends um ein Treffen bat,
erschrak sie zuerst und ihr wurde wieder sehr zaghaft und ängstlich ums Herz, aber die
Zärtlichkeit in seiner Stimme berührte ihre Seele. Leise stahl sie sich am Abend
von den anderen Sternen hinweg. Sie träumte und lächelte leise, auch als ihr
kleines Herz vor lauter Ängstlichkeit ganz laut zu schlagen begann. Der Mond
nahm Sternchen ganz behutsam in seine Arme und streichelte sie sehr lange. Er gab ihr Wärme und Geborgenheit und das Gefühl
ihn schon seit ewigen Zeiten zu kennen. Sie war zu Hause. |
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Viel zu kurz war die Zeit bis zum nächsten Morgen, nur
zögernd ging sie und die Traurigkeit die sich in ihr ausbreitete schmerzte.
Vorbei sagte sie leise, es war viel zu schön um wahr zu werden. Langsam ging sie
zu den anderen Sternen, die lustig vor sich hin lachten und scherzte mit ihnen,
damit keiner die Wehmut in ihren Augen spüren konnte. Jede Nacht wartete sie mit klopfenden Herzen auf ihn,
jubelte wenn er kam und ihr zärtlich Worte sagte, war tieftraurig wenn sie ihn
nicht sah. Sie wusste es gab kein Morgen, keine Zukunft und dennoch hoffte sie und träumte
den Traum vom Glück. Sie freute sich auf ein Wiedersehen mit ihm, war glücklich,
lächelte still vor sich hin und leuchtete strahlender als zuvor. |
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Und doch kam der Tag als ihr kalt und weh ums Herz wurde,
sie wusste es auf eine seltsame Weise, noch ehe er mit ihr sprach. |
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Sie verstand ihn! Oh ja, sie verstand in sehr gut! Seine und
ihre Welt konnten nicht zusammenkommen. Sie sehnte sich danach in seinen Armen
zu liegen, um den Schmerz zu besiegen. Unter Tränen, die wie Feuer brannten lächelte sie ihn zärtlich an, sie wusste es war nicht seine Schuld.
Langsam ging sie davon ins Dunkel der Nacht. |
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Auf der Erde staunten die Menschen am nächsten Tag über die
vielen wunderschönen Blumen und bewunderten die Größte unter ihnen, die wie eine
Sternschnuppe aussah.
U. Mühlberg, November 2003 |
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